Wie wird Gemüsebau klimaresilienter?

17.09.2026 | VERANSTALTUNG

Wie können Untersaaten, ein angepasstes Nährstoffmanagement und die Förderung des Bodenlebens zu einem klimaresilienten Gemüsebau beitragen? Beim Feldnachmittag am 17. September 2026 auf dem Birkenhof in Egelsbach erhielten rund 35 Teilnehmende Einblicke in das europäische Praxisforschungsprojekt Ground2Live sowie in verschiedene Arbeitsbereiche und Ansätze im Gemüsebau.

Zu dem Feldnachmittag hatten das Praxisforschungsnetzwerk Hessen (PFN) und der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH), sowie die Hessische Gemüsebauinitiative gemeinsam mit Arno Eckert vom Birkenhof eingeladen. Esther Pfeifer von der LLH-Beratung und Arno Eckert führten durch den Nachmittag.

Der Bioland-Betrieb bewirtschaftet rund 80 Hektar, davon etwa 4,5 Hektar Gemüsebau einschließlich geschütztem Anbau. Seit 2013 werden die Erzeugnisse überwiegend über die Solidarische Landwirtschaft mit derzeit 170 Anteilen vertrieben.

Ground2Live: Untersaaten für einen klimaresilienten Gemüsebau

Ein Schwerpunkt des Feldnachmittags lag auf dem europäischen Praxisforschungsprojekt Ground2Live. Dr. Christiane Weiler von der Universität Kassel stellte das Projekt und gemeinsam mit den projektbeteiligten Betrieben die laufenden Versuche direkt auf der Versuchsfläche vor.

Ziel von Ground2Live ist es, gemeinsam mit Praxis, Forschung und Beratung Lösungen für einen klimaresilienten und nachhaltigen Gemüsebau zu entwickeln. Im Projekt wird untersucht, wie sich Untersaaten sinnvoll in bestehende Gemüsebausysteme integrieren lassen. Sie können unter anderem den Boden vor Erosion schützen und die Biodiversität fördern.

Um die Entwicklung und Wirkung der Untersaaten beurteilen zu können, werden verschiedene Faktoren erfasst. Dazu gehören die Beikrautentwicklung, Bodenbedeckung, Biomasse und Erträge sowie Schädlinge, Wurzelwachstum und unterschiedliche Bodenparameter. Die Ergebnisse sollen Hinweise darauf liefern, welche Mischungen sich unter verschiedenen Bedingungen eignen und wie sie sich in der Praxis einsetzen lassen.

Entscheidend ist dabei die Abstimmung auf die jeweilige Hauptkultur: Während deren Entwicklung soll sich die Untersaat zurückhalten und möglichst wenig Konkurrenz verursachen. Nach der Ernte soll sie dagegen schnell die Fläche bedecken.

Winterlauch und Untersaaten im Praxistest

Auf dem Birkenhof wird Winterlauch mit einer Mischung aus Rotschwingel und verschiedenen Kleearten kombiniert. Die winterharte Mischung wird nach dem letzten Hackgang eingesät, etabliert sich zwischen den Lauchreihen und soll nach der Ernte den Boden über den Winter bedecken.

Neben dem Birkenhof beteiligen sich fünf weitere Praxisbetriebe mit Versuchsflächen an Ground2Live. Weitere Betriebe testen Untersaaten unter ihren jeweiligen Bedingungen.

Beim Feldnachmittag berichteten Gärtner der Solidarischen Landwirtschaften Feldkultur und Maingrün sowie des Luisenhofs von ihren bisherigen Erfahrungen mit Untersaaten. Dabei wurde deutlich, wie unterschiedlich sich die Untersaaten je nach Standort, Witterung und betrieblicher Bewirtschaftung entwickeln können. Die Erfahrungen und der Austausch zwischen den beteiligten Betrieben ist daher ein wichtiger Bestandteil des Projekts.

Praxis, Forschung und Beratung im Austausch

Der Feldnachmittag verband die Arbeit im Projekt Ground2Live mit weiteren Einblicken in die Bewirtschaftung des Birkenhofs. Zum weiteren Programm des Feldnachmittags gehörten Einblicke in betriebsspezifische Anwendungen wie die Nmin-Analyse mit dem NitraCheck, die Herstellung von Komposttee und den Einsatz Effektiver Mikroorganismen. Die Teilnehmenden konnten sich direkt auf den Versuchsflächen ein Bild von den verschiedenen Ansätzen machen, Fragen diskutieren und eigene Erfahrungen einbringen.

Besonders die Untersaatversuche zeigten, wie innovative Ansätze gemeinsam von Praxis, Forschung und Beratung entwickelt und unter realen Bedingungen erprobt werden können. Zugleich machten die weiteren Programmpunkte deutlich, dass Klimaresilienz im Gemüsebau aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet werden muss: von der Bodenbedeckung über eine angepasste Nährstoffversorgung bis zur Förderung des Bodenlebens.

So bot der Feldnachmittag vielfältige Impulse dafür, wie Praxisforschung und gemeinsamer Erfahrungsaustausch zur Weiterentwicklung eines nachhaltigen und klimaresilienten Gemüsebaus beitragen können.

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PFN Hessen –
Praxisforschung für den ökologischen Land- und Gemüsebau
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