Wissenschaftlich und trotzdem praxistauglich – wie geht das?
05.03.2026 | VERANSTALTUNG
Vom 3. bis 6. März 2026 trafen sich Forschende aus dem gesamten deutschsprachigen Raum zur 18. Wissenschaftstagung Ökologischer Landbau an der Universität Bonn, um aktuelle Themen rund um den ökologischen Landbau zu diskutieren. Mehr als 150 Vorträge, zahlreiche Poster und Workshops boten Raum für Austausch über neue Ansätze im Pflanzenbau, Tierwohl, Nährstoffmanagement und viele weitere Themen des Ökolandbaus.
Im Rahmen dieses Programms haben wir gemeinsam mit Partner:innen aus der Praxisforschung einen Workshop für über 30 Wissenschaftler:innen durchgeführt.
Praxisforschung wissenschaftlich und alltagstauglich gestalten
Als Praxisforschungsnetzwerk (PFN) beschäftigen wir uns mit einer zentralen Frage:
Wie können wir wissenschaftlich belastbare Versuche so gestalten, dass sie gleichzeitig in den landwirtschaftlichen Alltag passen?
Denn in der Praxis treffen unterschiedliche Anforderungen aufeinander.
Für sinnvolle Ergebnisse braucht es vollständige Datensätze und dennoch darf die Forschungsarbeit den Betriebsablauf auf den Höfen nicht stören.
Unser Workshop widmete sich deshalb genau diesem Spannungsfeld: Wie gelingt gute Praxisforschung im ökologischen Landbau?
Gemeinsam mit Partnern aus dem NutriNet, der KÖL, den Leitbetrieben der Uni Bonn und dem V. Ö. L. haben wir mit über 30 Wissenschaftler:innen diskutiert, welche Parameter für praxisnahe Versuche entscheidend sind und wie diese erfasst werden sollten.
Vom Versuchsdesign bis zur Datenerhebung
In drei Arbeitsgruppen zu den Themen Zwischenfrüchte, Hackfrüchte und Saatkulturen haben wir unter anderem diskutiert:
- Wie groß müssen Versuchsparzellen sein und wie viele Wiederholungen sind notwendig?
- Wie gehen wir mit heterogenen Flächenbedingungen um?
- Wie Messpunkte auf Großparzellen festlegen?
- Was ist wichtiger – mehr Parameter oder mehr Wiederholungen?
Dabei konnten wir unsere unterschiedlichen Erfahrungen zusammenbringen. Viele der Teilnehmer:innen hatten selber schon Praxisversuche betreut und so konnten wir gemeinsam unterschiedliche Facetten beleuchten und Best-Practice Tipps und Tricks herausarbeiten.
Zum Beispiel:
- Netzwerkversuche systematisch denken statt nur einzelne Flächen betrachten
- Messpunkte nicht in Fahrspuren anlegen
- Parzellen mit Bandmaß vom Feldrand aus einmessen
- GPS-Punkte setzen, um Boniturflächen sicher wiederzufinden
- innerhalb großer Parzellen kleinere Boniturflächen definieren
- Messpunkte über die gesamte zu beerntende Fläche verteilen
- mehrere kleine Teilflächen auszählen oder schneiden statt weniger großer Flächen
Auch der Umgang mit Ausfällen spielte eine Rolle:
Wenn beispielsweise Wildschäden auftreten, kann ein neuer Messpunkt unmittelbar neben dem ursprünglichen angelegt werden. Bei weniger eindeutigen Störungen sollte der Punkt zunächst bestehen bleiben. Entscheidend ist in jedem Fall eine saubere Dokumentation.
Austausch als Motor für bessere Praxisforschung
Für uns war der Workshop eine besondere Erfahrung. Anders als sonst standen wir nicht gemeinsam mit Landwirt:innen auf dem Feld, sondern diskutierten mit Wissenschaftler:innen im Seminarraum.
Die Gespräche haben gezeigt: Das Interesse an Praxisforschung ist groß, auch von Seiten der Wissenschaft. Gleichzeitig wurde deutlich, dass es viele Herausforderungen gibt. Um diese zu meistern ist der Austausch zwischen an Praxisforschung interessierten Forschenden ein wichtiger Baustein.
Unser Fazit, das wir aus Bonn mit nach Hessen nehmen: Praxisforschung lebt vom Austausch und wird durch geteilte Erfahrungen immer besser.













