Stickstoff halten und die Folgekultur versorgen

24.09.2026 | VERANSTALTUNG

Wie bleibt Stickstoff aus Zwischenfrüchten für die Folgekultur nutzbar und wie lassen sich Verluste verringern? Ergebnisse aus unserem Projekt Umkreis geben dazu wichtige Hinweise. Reinhard Schmidt vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) stellte sie beim Zwischenfruchtfeldtag am 24. September 2026 auf der Hessischen Staatsdomäne Immichenhain vor.

Gemeinsam mit dem LLH und Betriebsleiter Christoph Riebeling haben wir als Praxisforschungsnetzwerk Hessen (PFN) zum Feldtag eingeladen. Fachbeiträge und eine anschließende Feldbegehung verbanden Forschungsergebnisse mit Erfahrungen aus der landwirtschaftlichen Praxis.

Umkreis: Stickstoff für die Folgekultur sichern

In unserem Projekt Umkreis wurden verschiedene Zwischenfrucht- und Umbruchvarianten auf hessischen Ökobetrieben und dem Versuchsbetrieb der Universität Kassel untersucht. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie sich der in Zwischenfrüchten gebundene Stickstoff für die Folgekultur erhalten und verfügbar machen lässt.

Die vorgestellten Ergebnisse verdeutlichten, wie wichtig das Zusammenspiel von Zwischenfrucht, Standort und Umbruchzeitpunkt ist. Früh umgebrochene, abfrierende Bestände können Stickstoff schneller bereitstellen, zugleich steigt jedoch das Verlustrisiko. Winterharte Zwischenfrüchte halten Stickstoff länger gebunden. Ihr Umbruch muss wiederum so geplant werden, dass der Stickstoff rechtzeitig für die Folgekultur verfügbar wird.

Ein Schwerpunkt des Vortrags lag auf dem Treffler Häufler als bodenschonendem Umbruchverfahren. Dabei wird die Zwischenfrucht vor dem ersten Frost gewalzt und anschließend mit aufgeworfener Erde bedeckt. Da nur ein Teil der Fläche bearbeitet wird, fällt der Eingriff in den Boden geringer aus als beim Pflügen. Bei einem passenden Umbruchtermin kann das Verfahren den vorgestellten Ergebnissen zufolge ähnlich viel Stickstoff für die Folgekultur bereitstellen wie der Pflug.

Für die Praxis kommt es deshalb darauf an, Zwischenfruchtwahl, Umbruchzeitpunkt und Bearbeitungsverfahren aufeinander abzustimmen. So können Betriebe die Stickstoffversorgung der Folgekultur verbessern und das Risiko von Nährstoffverlusten verringern.

Weitere Perspektiven auf den Zwischenfruchtanbau

Ergänzend berichtete Axel Vorwald vom LLH-Beratungsteam Ökologischer Landbau über mehrjährige Praxisdemonstrationen zur Drohnensaat in Nord- und Osthessen. Seine Kollegin Friederike Kaplan stellte eine Entscheidungsmatrix zur Drohnensaat vor. Sie unterstützt Betriebe dabei, einzuschätzen, ob das Verfahren zu ihren Bedingungen passt. Berücksichtigt werden unter anderem Boden- und Keimbedingungen, Strohverteilung, geeignetes Saatgut, Wurzelunkräuter sowie die Möglichkeit, den Aussaattermin flexibel an die Witterung anzupassen. Die Matrix unterscheidet dabei zwischen Ausschlusskriterien und Faktoren, die je nach betrieblicher Situation abzuwägen sind.

Andreas Werner von der Deutschen Saatveredelung AG erläuterte anhand von Ergebnissen aus dem CATCHY-Projekt, welchen Beitrag Zwischenfrüchte zur Bodenstruktur und Bodenfruchtbarkeit leisten können.

Aussaatverfahren im Feld vergleichen

Bei der anschließenden Feldbegehung konnten die Teilnehmenden verschiedene Zwischenfruchtbestände aus Drill-, Streu- und Drohnensaat miteinander vergleichen. Die trockene und heiße Witterung hatte die Entwicklung der Bestände begrenzt. Unter den Bedingungen der Demonstrationsfläche erwies sich die Drillsaat als sicherstes, zugleich aber kostenintensivstes Verfahren.

Die Unterschiede machten deutlich, wie stark die Bestandsentwicklung von Aussaatverfahren, Pflanzenarten und Standortbedingungen abhängt. Auch die Nährstoffversorgung der Zwischenfrüchte muss berücksichtigt werden, damit sich leistungsfähige Bestände entwickeln können.

Praxisforschung lebt vom Austausch

Mit dem Feldtag haben wir Erkenntnisse aus unserem Netzwerk zur Diskussion gestellt und mit Erfahrungen aus Beratung und Betriebspraxis verbunden. Der Austausch direkt auf dem Feld hilft dabei, Forschungsergebnisse einzuordnen und ihre Bedeutung für unterschiedliche Betriebe zu diskutieren.

Damit unterstützt Praxisforschung fundierte Entscheidungen im Betriebsalltag. Ziel ist es, Zwischenfrüchte so einzusetzen, dass sie Nährstoffe im System halten, Gewässer schützen und die Bodenfruchtbarkeit langfristig erhalten.

Weitere Informationen zu den Fachbeiträgen und zum Vergleich der Aussaatverfahren bietet der ausführliche Veranstaltungsbericht des LLH.

Kontakt

PFN Hessen –
Praxisforschung für den ökologischen Land- und Gemüsebau
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